Ein „Ökumenisches Magnificat“ zum Reformationsjubiläum 2017

Beim Reformationsfest 2015 in der Kilianskirche Heilbronn sangen verschiedene Chöre unter der Leitung von Bezirkskantor Thomas J. Astfalk. Das Bild zeigt Christian Göckel am Flügel.

Zu Beginn der Reformation hatten die Musik und neu gedichtete, deutsche Lieder eine hohe Bedeutung für die Ausbreitung der „neuen Lehren“. Von Martin Luther sind 38 Lieder erhalten, die nicht nur schöne Melodien und eine kraftvolle Sprache haben, sondern meist auch Luthers Bildungsziel ausdrücken: Er wollte „dem Volk eine Stimme geben“, indem es singend am Gottesdienst beteiligt wurde und zugleich wichtige Glaubens- und Katechismus-Teile erklärt bekam. So erreichen zentrale Glaubensinhalte Kopf und Herz zusammen – über das Singen. 

Auch in den Heilbronner Reformationsfeiern spielt die Musik stets eine besondere Rolle. So war der Leitgedanke für die musikalische Gestaltung des 500jährigen Jubiläums, dass - entsprechend zur „neuen Musik“ der Reformationszeit - etwas Neues zu Gehör kommen sollte.

Das „neue Lied“, zu dem schon die Psalmen ermuntern, soll Gottes Größe und Ehre immer wieder mit neuen Worten und in neuem klanglichen Gewand zum Ausdruck bringen. Der Evangelische Kirchenbezirk Heilbronn beauftragte schließlich Peter Bannister mit der Komposition eines kirchen- musikalischen Werkes für den heutigen Tag. 

Bannister schlug vor, den Lobgesang der Maria (Lukas 1, 46-56) mit dem „Gloria Patri“ („Ehr ́ sei dem Vater“) zu verbinden, das im Gottesdienst als Antwort auf den Wochenpsalm folgt. So entstand bis Januar/ Anfang? 2017 das „Ökumenische Magnificat“ teils lateinisch, teils deutsch. Die Solisten singen lateinisch, der Chor singt überwiegend deutsch in der Übersetzung Martin Luthers und wechselt erst beim Gloria Patri ins Lateinische. 

Das Magnificat ist ein Stück der Heiligen Schrift, das für alle christlichen Konfessionen große Bedeutung hat. Martin Luther hob die vorbildliche Herzenshaltung Marias hervor, als er eine Erläuterung des Magnificats für seinen Landesherrn verfasste. Diese Auslegung spielt auch eine positive Rolle im ökumenischen Diskurs. 

Möge auch das „Ökumenische Magnificat“ mit seiner Farbigkeit und seinen wechselnden Rhythmen, den theologischen Akzenten und dem fulminanten Schluss als moderner Lobgesang viele Köpfe und Herzen erreichen!

Eine zweite Aufführung des Ökumenischen Magnificats gibt es am 1. Januar 2018 um 17 Uhr in der Evang. Stadtkirche Böckingen. 

Peter Bannister (*1966, London), 1985 Klavierexamen
am Royal College of Music mit Auszeichnung, Studium
der Musikwissenschaften am King ́s College in
Cambridge, Stipendiat in Frankreich, Theologiestudium
an der University of Wales (Mag. theol.), nationale und
internationale Wettbewerbspreise in Chartres und
Nürn-berg (Orgel), San Sebastián und Paris
(Komposition), Konzertreisen als Organist und Pianist
durch Nordamerika und Europa, darunter Berlin, Ulm,
Bourges, Festival Europäischer Kirchenmusik Schw. Gmünd, Triest, Wien, Warschau; Juror bei verschiedenen Wettbewerben. Kompositionen für Klavier, Orgel, Kammermusik, Orchester, Chor und Oratorien. Theologische Publikationen. Bannister lebt seit 2016 in Cluny nahe Taizé. 

Prof. Dr. Albrecht Beutel ist Professor für Kirchengeschichte mit Schwer- punkt Reformation, neuere und neueste Kirchengeschichte an der Evang.- theol. Fakultät der Universität Münster. In seiner Dissertation erforschte er Luthers Sprachverständnis unter dem Titel „In dem Anfang war das Wort“. Seine Habilitation erfolgte mit einer Arbeit über Georg Christoph Lichtenberg. Beutel ist u.a. Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und im Vorstand der Luther- Gesellschaft. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie und Mitveranstalter des Arbeitskreises „Religion und Aufklärung“. 

Herzlichen Dank allen, die mit finanzieller und tatkräftiger Unterstützung diesen Festakt ermöglicht haben! Besonders erwähnt seien an dieser Stelle:
Stadt Heilbronn, Ev. Kirchenbezirk Heilbronn, Kulturstiftung der Kreisspar- kasse Heilbronn, Förderkreis für Neue Musik Heilbronn e.V., Amt für Kirchenmusik im Evangelischen Oberkirchenrat Stuttgart, Dieter-Schwarz- Stiftung, Fa. Appel, Fa. Kölle, Herr Arkadi Neb, Fa. Adworks, Herr Thomas Lang, Bäckerei Härdtner, Herr Otto Rettenmaier und Herr Rudolph Appel. 

Wir freuen uns, wenn Sie auch die zweite Aufführung finanziell unterstützen. Für eine steuerlich absetzbare Spende nutzen Sie bitte folgendes Konto: Evangelischer Kirchenbezirk Heilbronn, Stichwort: Musik für das Reformationsjubiläum, IBAN: DE12 6205 0000 0000 0522 92. 

Thomas J. Astfalk