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Moral und Glaube
Ich erinnere mich an keinen Monat in den letzten Jahrzehnten, in denen Vertreter beider großer Kirche so sehr im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen standen wie in diesem. Hinter all dem Medien-Hype um sexuellen Missbrauch und Alkohol am Steuer steht die offene Frage nach dem Zusammenhang von Glaubwürdigkeit und Moral. Wie untadelig muss man sein, um die Botschaft Jesu verkündigen zu können?
Die Antwort ist aus evangelischer Sicht einfach: Die Botschaft Jesu wird nicht dadurch unglaubwürdig, dass unvollkommene Menschen sie verbreiten. Allerdings fruchten Appelle an das moralische Gewissen anderer wohl nur, wenn man selbst ihnen folgt. Denn nur so wird verhindert, dass aus Selbstgewissheit Überheblichkeit wird.
Und weil auch kirchliche Amtsträger keine höhere Moral besitzen als andere, ist es so fatal, wenn die Kirche vor allem durch moralische Forderungen in Erscheinung tritt, so berechtigt diese auch scheinen mögen. Im Mittelpunkt unseres Glaubens steht die Erlösung sündiger und unvollkommener Menschen durch den auferstandenen Christus. Das klingt altbacken, fremd und ist schon gar nicht Beckmann-kompatibel - aber so ist dieser „Schatz in irdenen Gefäßen“ nun einmal: Kein erhobener Zeigefinger, sondern die ausgestreckte Hand Gottes, die uns sündige Menschen hält.
Das meint
Ihr Pfarrer
Matthias Treiber
Weitere Kommentare von Pfarrer Matthias Treiber finden Sie unter "www.evangelisch-in-heilbronn.de" Foto: Landeskirche Hannover
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