Corona: Passion 2020

Die Corona-Krise zieht immer weitere Kreise, schließt immer mehr Menschen ein rund um den Erdkreis.
Corona, auf Deutsch: Krone, Kranz. So heißt auch bis auf Weiteres die Dornenkrone, wenn wir dieses Jahr des Todes Jesu am Kreuz gedenken.

Immer tiefer bohren sich Dornen in unsere Köpfe, überall und bei immer mehr Menschen bis zum Tod der Atemnot. Karfreitag rückt näher, die bittere Trauer.

Eine Corona, eine Dornenkrone wurde damals Jesus von Nazareth aufgesetzt. Er schrie laut und verschied.
Viele Christinnen und Christen erkennen Gott selber im einsamen Schrei vom Kreuz unter der Sonnenkorona bei totaler Sonnenfinsternis.Wir glauben, dass Gott da ist im Leid unserer Welt.

Nicht nur im Leid der Welt, sondern vor allem im Lied der Hoffenden, der Liebenden und der trotz Trauer Kämpfenden ist Gott uns so nah.
Wo immer dieses Lied erklingt, tragen die Dornen Rosen, wie das alte Adventslied besingt: Maria durch ein Dornwald ging: Da haben die Dornen Rosen getragen, Kyrie eleison. Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen. Jesus und Maria.

Die Rosen der Hoffnung blühen in unserer leidenden Welt. Die Wellen der Solidarität können Menschen weltweit verbinden. Diese Vision des Friedens kann uns als Glaubenden inspirieren und stärken.

Die Corona-Pandemie stellt eine Herausforderung für unseren Glauben dar. Nüchternheit ist angesagt.
Der große Philosoph Leibniz zeigte, dass auch die natürlichen bzw. die menschverursachten Übel zwangsläufig zu der besten aller möglichen Welten dazu gehören, zu einer vergänglichen Welt, in der wir Menschen einen freien Wille ausüben.

Wir merken immer wieder selbst, dass Dornen und Rosen so eng beieinander sind. Die Dornen sind immerhin die Dornen der ewig schönen vergänglichen Rosen, der unvergänglichen Augenblicke. Diese Rosen wären nicht so schön und kostbar, wenn sie nicht auch zerbrechlich und ständig gefährdet wären.
Die vielleicht größte Aufgabe im Leben heißt: Leben schützen und das Leben trotz allem lieben.

In dieser Zeit der Corona-Pandemie können wir Menschen trotz Abstandsgebot solidarisch und hilfsbereit sein.
Und wir können einander in Gedanken nahe sein, aneinander denken, im Gebet, wie mit einem Rosenkranz in der Hand.

Und wir freuen uns auf bessere Zeiten, wenn mehr vom Osterfest, vom Sieg des Lebens in unserer Welt zu spüren sein wird.
Dann werden wir wieder aufstehen, einen Freudensprung tun, wie die Dichterin Marie Luise Kaschnitz sagt, hinab hinauf, leicht wie der Geist der Rose.

Heilbronn, den 23. März 2020    

Pfarrer David S. Terino